Der GDV veröffentlicht seinen dritten Nachhaltigkeitsbericht mit dem Titel „Der Beitrag der Versicherer zum Klimaschutz“.
Der Bericht zeigt, wie die Versicherungsunternehmen ihre 2021 verabschiedete Nachhaltigkeitspositionierung umsetzen. Dabei werden zahlreiche Daten und Kennzahlen präsentiert – von den Kapitalanlagen über die eigenen Geschäftsprozesse bis hin zu Versicherungsprodukten und der Schadenregulierung.
Kapitalanlagen: Der Anteil nach ESG-Kriterien verwalteter Kapitalanlagen ist auf 90 Prozent gestiegen. 90 Prozent der Kapitalanlagen werden bereits mit Netto-Null-Zielen gemanagt, 70 Prozent der Unternehmen haben konkrete Reduktionspfade definiert. Allerdings ist der CO2-Fußabdruck der Aktien- und Anleiheinvestments leicht auf 79 Tonnen CO2 je investierte Million Euro gestiegen. Hintergrund sind verzögerte Effekte des Wirtschaftswachstums sowie eine bessere Datenbasis.
Geschäftsprozesse: Die Scope 1- und 2-Emissionen blieben nahezu unverändert bei 0,17 Millionen Tonnen CO2. Erstmals wurden die Scope 3-Emissionen ermittelt, die bei 0,17 bis 0,29 Millionen Tonnen CO2 liegen. 55 Prozent der Unternehmen erreichen bereits Netto-Null-Emissionen für Scope 1 und 2.
Versicherung von Risiken: Immer mehr Versicherer integrieren ESG-Aspekte in die Zeichnung von Risiken. 46 Prozent haben ESG-Prüfprozesse etabliert. Der Anteil der Unternehmen mit Ausschlüssen z.B. für kohlebasierte Aktivitäten blieb hoch. 51 Prozent bieten explizit als nachhaltig bezeichnete Versicherungsprodukte an.
Produkte und Schadenregulierung: 81 Prozent der Schaden- und Unfallversicherer berücksichtigen Nachhaltigkeitsaspekte bei der Schadenregulierung. 71 Prozent setzen auf Reparatur statt Neukauf. Erstmals wurde das Angebot an nachhaltigen Lebensversicherungsprodukten erhoben: Rund zwei Drittel des Marktsegments haben derartige Produkte im Angebot.
Die Umfrageergebnisse des Jahres 2023 offenbaren, dass Versicherungsunternehmen ihre Bemühungen intensivieren, Nachhaltigkeit fest in ihre Governance-Strukturen zu integrieren. Diese Entwicklung wird sowohl durch regulatorische Vorgaben als auch durch das Bestreben, eigene Nachhaltigkeitsstrategien zu implementieren, vorangetrieben. Es zeigt sich, dass nahezu alle teilnehmenden Versicherer über ausgearbeitete Strategien verfügen, um ökologische und soziale Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen.
Die Umsetzung dieser Strategien findet branchenweit statt und erstreckt sich über die zentralen Geschäftsbereiche der Kapitalanlagen und der Betriebsorganisation. Darüber hinaus werden auch die für die jeweiligen Sparten spezifischen Geschäftsbereiche in den meisten Unternehmen in den Prozess einbezogen. Die Transformation der Governance-Strukturen erfordert erhebliche Ressourcen: Unternehmen investieren in die Qualifizierung ihrer Beschäftigten in Nachhaltigkeitsthemen und stellen vielfach zusätzliches Personal ein. Externe Tools und Dienstleistungen werden herangezogen, um ESG-bezogene Prozesse, wie die Due Diligence bei Investitionen oder die Bewertung von Risiken, zu unterstützen.
Rund 40 Prozent der Versicherer haben Anreizsysteme für ihre Belegschaft etabliert, um die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen zu fördern. Weiterhin unterstützt etwa die Hälfte der Unternehmen ihre selbstständigen Vertriebspartner aktiv bei Nachhaltigkeitsfragen.
Die Ergebnisse aus internen Risikoanalysen, die Klimawandelszenarien einbeziehen, unterstreichen die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Klimaschutzmaßnahmen. Mehr als ein Drittel der Versicherer prognostiziert materielle Auswirkungen auf ihre Investmentportfolios durch Transitionsrisiken im mittelfristigen Zeitraum zwischen 2028 und 2050. Ein noch höherer Prozentsatz der Schaden- und Unfallversicherer sieht physische Risiken als materiell relevant für die Versicherungstechnik an. Trotz dieser Herausforderungen betrachten viele Versicherer ihre bereits eingeleiteten Strategien und Maßnahmen als adäquat, um diesen Risiken auch in Zukunft wirksam begegnen zu können.
